Presseinformation: Nach dem britischen Ausstieg aus Erasmus+. Wie geht es weiter?
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Presseinformation: Nach dem britischen Ausstieg aus Erasmus+. Wie geht es weiter?

Nach knapp einjährigen Verhandlungen wurde ein Partnerschaftsvertrag zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich ausgehandelt, der am 1. Januar 2021 vorläufig in Kraft getreten ist. Eine Ratifizierung dieses Abkommens durch das Europäische Parlament steht noch aus.

Aus aller Welt kommen junge Menschen ins Vereinigte Königreich, um zu studieren. Für EU-Bürger wird das künftig komplizierter und vor allem teurer. Fest steht, dass das Vereinigte Königreich nicht mehr an der neuen Erasmus+ Programmgeneration (2021-2027) teilnehmen wird. Von britischer Seite ist nun geplant ein eigenes Förderprogramm für britische Studierende zu schaffen, dass nach Alan Turing benannt werden soll. Die Maßnahmen der Erasmus+ Programmgeneration 2014-2020 können allerdings zu Ende gefördert werden. So gilt eine Regelung, dass bis zum Ende dieser Programmgeneration keine Änderungen erfolgen. Dies gilt für alle entsprechenden Projekte einschließlich ihrer Laufzeiten, also auch für jene, die in 2020 bewilligt wurden.

„Die Entscheidung der britischen Regierung nicht länger an Erasmus+ teilzunehmen, bedaure ich zutiefst. Sie ist unverständlich. Über 7.300 britische Organisationen haben am aktuellen Programm 2014-2020 teilgenommen. Mit über 101.000 Studierenden bis 2020 war das Vereinigte Königreich einer der größten Profiteure.“, kritisiert der Abgeordnete und Brexit-Beauftragte des Europäischen Parlaments David McAllister (CDU).

Zu Beginn der Verhandlungen über die Beziehungen mit der Europäischen Union hatte die britische Regierung noch eine Teilnahme als Drittland wie die Türkei, Island, Norwegen und Serbien an dem Programm angestrebt. Das Vereinigte Königreich hätte sich für das gesamte siebenjährige Erasmus+ Programm anmelden und einen fairen Beitrag zahlen müssen. „Die britische Regierung hat die Optionen für eine Teilnahme an manchen Elementen von Erasmus+ von 2021 bis 2027 aber auf zeitlich begrenzter Basis und im rein britischen Interesse gefordert. Die EU konnte dies nicht akzeptieren. Denn das Programm rechnet sich nur, wenn alle Teilnehmer zu gleichen Teilen in Erasmus+ investieren.“, erläutert David McAllister.

„Das britische Ausscheiden aus Erasmus+ bedeutet Nachteile für beide Seiten. Das Vereinigte Königreich galt als eines der beliebtesten Ziele für Austauschstudenten. Für junge Menschen auch aus Niedersachsen und dem Land Bremen wird es teurer und

schwieriger umsetzbar sein, dort zu studieren. Die britische Regierung hat bereits eine neue Einwanderungsregelung für Studenten eingeführt. Auch Erasmusstudenten müssen ab dem 1. Januar ein Visum beantragen.“, teilt der Europaabgeordnete mit.

Studierende aus der EU, die sich bereits vor dem 31. Dezember 2020 auf den britischen Inseln niedergelassen haben, müssen im Rahmen des „EU Settlement Scheme“ einen Antrag stellen, um die mit „Settled Status“ oder „Pre-Settled Status“ verbundenen Rechte im Vereinigten Königreich sichern zu können. Ein bereits begonnener Erasmus+ Studienaufenthalt kann außerdem abgeschlossen werden. Künftig werden Erasmus Aufenthalte in England, Schottland, Wales und Nordirland für Studierende aus Deutschland nicht mehr möglich sein. Studierende aus der EU, die ihr Studium ab Juli 2021 beginnen, haben in England, Schottland und Wales keinen Anspruch mehr darauf, die gleichen Studiengebühren wie britische Studierende zu bezahlen. Der sogenannte „home fee status“ entfällt. Auch britische Studierende und Schüler werden nicht weiter von dem Programm profitieren. Das Vereinigte Königreich bleibt aber Teil des Europäischen Hochschulraums wodurch Studienleistungen gegenseitig weiterhin anerkannt werden.

„Gerade vor diesem Hintergrund ist es besonders begrüßenswert, dass das Land Niedersachsen dank der Initiative von Wissenschaftsminister Björn Thümler bereits seit dem vergangen Jahr einen besonderen Schwerpunkt auf Projekte mit schottischen Hochschulen legt. So haben im September 2020 die Universitäten Lüneburg und Glasgow mit dem European Centre for Advanced Studies (ECAS) eine gemeinsame Forschungsinstitution gegründet. Neben dem akademischen Gewinn führen solche Projekte junge Menschen zusammen.“, hebt David McAllister hervor.

Die Europäische Kommission sei weiterhin offen, über jeden künftigen Antrag des Vereinigten Königreichs über Erasmus+ oder andere EU-Programme zu verhandeln. So will die irische Regierung Studierenden an Universitäten in Nordirland die weitere Teilnahme an Erasmus+ ermöglichen. Sie müssten sich für die Dauer ihres Auslandsaufenthalts allerdings an einer Universität der Republik Irland einschreiben.

Der schottische Bildungsminister Richard Lochhead hat in einem Brief an EU-Kommissarin Mariya Gabriel, seine Unterstützung für das neue Erasmus+ Programm bekräftigt und den Dialog über die zukünftige Vorgehensweise angeboten.

„Auch künftig sollen junge Menschen – unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten ihrer Eltern – im Vereinigten Königreich studieren können.“, fordert David McAllister abschließend.