Fische kennen keine Grenzen
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Fische kennen keine Grenzen

32. Fischgipfel am 14. März macht Hoffnung auf eine Post-Brexit-Lösung für die Hochseefischerei

Die „Folgen des Brexits für die Deutsche Hochseefischerei“ wurden gestern beim traditionellen Fischgipfel des Presseklubs Bremerhaven-Unterweser e.V. mit rund 120 Gästen diskutiert. Die Talkrunde des 32. Fischgipfels war mit Dr. Uwe Richter, Vorsitzender des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes e.V. (DHV) und Geschäftsführer der Tochterunternehmen der Doggerbank Seefischerei GmbH, Dr. Sarah Simons, Fischerei-Ökonomin am Thünen-Institut Bremerhaven und Brigitte Langenhagen aus Cuxhaven, ehemalige CDU-Abgeordnete und Vize-Vorsitzende des Fischereiausschusses im Europaparlament, hochkarätig besetzt.

Dörte Behrmann, Vorsitzende des Bremerhavener Presseklubs, begrüßte die Gäste und versprach: „Wir werden neue Veranstaltungsformate entwickeln. Am Fischgipfel aber halten wir fest. Denn das Thema „Fisch“ steht in all seinen Facetten für die Stadt Bremerhaven“. Anke Breitlauch, bisherige Vorsitzende des Presseklubs und Sebastian Gregorius, Prokurist der Fischereihafen-Betriebsgesellschaft (FBG), sprachen im Anschluss über künftige Entwicklungen des Bremerhavener Fischereihafens. Der Fischereihafen werde sich gemeinsam mit der BIS, Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH, und der Stadt touristisch weiterentwickeln und weiter öffnen. Mittlerweile seien über 8.000 sozialversicherungspflichtige Jobs im Fischereihafen entstanden. Daneben gäbe es kaum Leerstände, so das Fazit. Zum Seefischkochstudie sagte Sebastian Gregorius stolz: “Unser Kochprofi Ralf Harms ist heute einer der ersten Fischsommeliére in Deutschland.“

„Lose-Lose Situation“ verhindern
Moderator Werner D. Prill eröffnete anschließend die Talkrunde mit kurzen Filmbeiträgen. Ein im Vorfeld der Veranstaltung und eigens für den Presseklub geführtes Interview mit David McAllister, Abgeordneter der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, veranschaulichte die politische Situation rund um den Brexit, der sich als eine „Lose-Lose Situation“ darstellen könnte, sollten die Verhandlungen ins Leere laufen. „Unser Ziel muss sein, dass die Zusammenarbeit weiterhin so eng wie möglich bleibt“, so McAllister. Die britische Fischwirtschaft habe ein Interesse daran, zu exportieren, aber das gehe nur, wenn es keine Einzellösungen gäbe. Es gehe darum, die Auswirkungen des EU-Austritts Großbritanniens auf die Fischwirtschaft so sanft wie möglich zu gestalten, sagte McAllister.

Dr. Uwe Richter verdeutlichte, dass die Fragen der europäischen Hochseefischerei im Vordergrund stehen sollten, da ansonsten etliche Fischer und Fischverarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Es gehe um 450 direkte Arbeitsplätze und einige tausend in weiterverarbeitenden Branchen. Speziell der Fangquoten-Tausch, der ein effizientes Arbeiten ermögliche, sei bedroht, so Richter. „Wenn das wegfällt, wäre es für beide Seiten schlecht“, betonte er. Seine persönliche Meinung sei, dass man zu einer Lösung kommen werde.

Britische AWZ reich an Fischbeständen
Dr. Sarah Simons, Fischerei-Ökonomin am Thünen-Institut Bremerhaven und neu in der Seestadt, sprach die Herausforderung einer jährlich festzulegenden Aufteilung der Gesamtquote und eines tragfähigen Kompromisses an. Die britische AWZ (ausschließliche Wirtschaftszone) sei sehr reich an Fischbeständen. Die Autorin der Brexit-Studie, die das Thünen-Institut im Auftrag des Europaparlaments anfertigte, verdeutlichte, dass vier von fünf Fischprodukten aus Großbritannien in die EU exportiert werden. „Fische kennen keine Grenzen“, beschreibt Dr. Simons die Situation, die sich durch einem harten Brexit ergeben könnte.

Europa als „Win-Win-Situation“
Brigitte Langenhagen berichtete über die aktuellen EU-politischen Entwicklungen rund um die Fischereifrage im Brexit. „Ich habe Europa immer als „Win-Win-Situation“ wahrgenommen“, betonte Langenhagen. „Wir sind hier auf einem guten Weg.“ Sie setze ihre Hoffnung auf eine gemeinsam mit 80 Kommunen unterzeichnete Erklärung. Die gemeinsame Podiumsrunde mit Werner D. Prill brachte anschließend die Sorgen zutage, die mit dem Brexit einhergehen: 2/3 unseres Fangs stammen aus Großbritannien; 100 Prozent Hering und 60 Prozent Makrele. „Das macht die Bedeutung der EU bewusst“, so Brigitte Langenhagen. Zur gemeinsamen Erklärung, fügte Dr. Richter noch hinzu, dass selbige nicht durch Bremerhaven beziehungsweise durch das Land Bremen unterzeichnet wurde. Hier fühle sich die Hochseefischerei eher stiefmütterlich behandelt.

Dörte Behrmann eröffnete anschließend das exquisite Fisch-Buffet, welches die hohe Bedeutung von Fisch für die Region neben der wirtschaftlichen Bedeutung kulinarisch unterstrich. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen lobten eine gelungene Veranstaltung, die die Folgen des Brexits für die deutsche Hochseefischer aus vielen unterschiedlichen Perspektiven sehr gut veranschaulichte.

Text: Heike Winkler