Weser Kurier: Was Kirche und Politik bewegt
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Weser Kurier: Was Kirche und Politik bewegt

Das Winterprogramm des Loccumer Kreises geht ins 62. Jahr. Im Mittelpunkt der Vortragsreihe stehen in diesem Jahr der Dialog in Europa und der Religionen, die Wahlen sowie die Zukunft der Arbeit.

Landkreis Osterholz. Der Dialog der Nationen in Europa, der Dialog der Religionen in der Welt: Das sind beherrschende Themen im neuen Winterprogramm des Loccumer Kreises. Weitere Vorträge werden sich mit den jüngsten Wahlumfragen sowie mit der Zukunft der Arbeitswelt befassen. Heinrich Grün und Volker Stronczyk vom Vorbereitungskreis informierten jetzt darüber, dass die Vortragsreihe am kommenden Montag, 23. Oktober, ins mittlerweile 62. Jahr geht – „wie immer an den Grenzen zwischen Kirche und Gesellschaft“, so Grün. „Wir haben erneut politische und religiöse Themen zusammengestellt, die viele Menschen bewegen.“ Alle Vorträge beginnen auch weiterhin um 20.15 Uhr, der Eintritt ist frei und am Ende soll jeweils noch genügend Raum für Diskussion bleiben.

Zum Auftakt heißt das Thema „Die Sonntagsfrage – Wie kommen Meinungsforschungsinstitute zu ihren Vorhersagen?“. Der Markt- und Sozialforscher Uwe Czaia muss es wissen, denn sein Bremer Institut befasst sich genau damit. Grün sagte, ihn interessierten besonders der Umgang mit unzutreffenden Prognosen sowie die mögliche Rückwirkung von Wahlumfragen auf das tatsächliche Wählerverhalten. Czaia spricht am Montag im Willehadi-Gemeindehaus unter anderem auch darüber, wieso die Demoskopen bei Donald Trump 2016 so gründlich daneben gelegen hatten.

Noch vor der Landtagswahl verpflichtet wurde der ehemalige Landesvater und jetzige Europaparlamentarier David McAllister. Der Christdemokrat befasst sich am Donnerstag, 16. November, im Rathaussaal mit der Frage „Welches Europa wollen wir?“. Er werde dies nicht aus parteipolitischer Warte tun, versprechen die Organisatoren, wohl aber „gute Gründe für die EU der Zukunft“ nennen – gerade auch angesichts der aktuellen Zerreißprobe durch den Brexit. Generell, so setzte Heinrich Grün hinzu, gelte beim Loccumer Kreis seit eh und je das freie Wort: „Wir wollen nicht bekehren oder uns vor jemandes Karren spannen lassen.“

Thema Wirtschaft 4.0

Damit gab er seinem Mitstreiter Volker Stronczyk das Stichwort, der den Leipziger Islamwissenschaftler Frank Donath für Donnerstag, 18. Januar, zu einem Vortrag gewinnen konnte. Der promovierte Ethnologe spricht kommendes Jahr im Gemeindehaus über Fortschritt und Moderne im Islam und über die Frage nach reformorientierten Kräften. Donath, der Arabisch spricht und der Länder wie Mali, Äthiopien und Madagaskar bereist hat, verbindet dabei Analyse und Ausblick. Der Islam sei im Mittelalter führend auf Feldern wie Astronomie und Medizin gewesen, sagt Stronczyk. Es handele sich dabei aber nicht um eine monolithisch-einheitliche Religion, eher im Gegenteil. Die Zunahme von Populismus und Extremismus müsse kritisch beleuchtet werden. Am Ende aber gehe es auch um das Mit- oder Gegeneinander mit der gesellschaftlichen Realität der westlich-aufgeklärten Welt.

Genau eine Woche später, am 25. Januar, geht es an selber Stelle um die Situation bedrängter und verfolgter Christen und um christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt. Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer aus Hannover skizziert Diskriminierung und Verfolgung im außereuropäischen Raum – und die Arbeit von Projekten wie Open Doors und der Hilfsaktion Märtyrerkirche. Grün fügt hinzu, dass in manchen Teilen der Welt auch die Angehörigen anderer Religionen verfolgt würden, wie das Beispiel der muslimischen Rohingya in Myanmar zeige.

Die Digitalisierung von Wirtschaft und Arbeitswelt sowie deren Auswirkung auf den Menschen beschäftigt am Donnerstag, 22. Februar, den Studienleiter der Evangelischen Akademie Loccum, Joachim Lange. Als die vierte Industrielle Revolution, als „Wirtschaft 4.0“, wird dabei ein Phänomen bezeichnet, das weitreichende Folgen etwa für Wohlstand, Beschäftigung und soziale Sicherung haben wird. „Der Innovationsschub ist enorm“, sagt Grün, „aber der technische Fortschritt löst bei allen Chancen auch viel Ängste aus.“ Langes Vortrag im Gemeindehaus werde beides beleuchten.

Pilgern, Wandern, Marathon: Langstreckenläufer Volker Stronczyk hat einige artverwandte Steckenpferde und mit dem Pilgerpastor Bernd Lohse aus Hamburg einen Referenten eingeladen, der sich mit dem Pilgern im 21. Jahrhundert bestens auskennt: Lohse führt regelmäßig Gruppen auf dem Olavsweg in Norwegen und spricht nun beim Loccumer Kreis am Mittwoch, 14. März, im Willehadi-Gemeindesaal über die Neuentdeckung einer alten Tradition.

Das Pilgern war Stronczyk zufolge in den 70er-Jahren beinahe zum Erliegen gekommen. Am Wallfahrtsort Santiago de Compostela habe man seinerzeit nur wenige Dutzend Pilger pro Jahr gezählt. „Als Hape Kerkeling dort auf dem Jakobsweg ankam, war er schon einer von 60 000.“ Im vergangenen Jahr ließen sich dort 278 000 Menschen bescheinigen, dass sie die letzten 100 Kilometer zu Fuß oder 200 Kilometer auf einem Fahrrad oder Pferd zum Hauptziel des Jakobswegs zurückgelegt hatten.