Auf der Europa-Bühne: David McAllister
29109
post-template-default,single,single-post,postid-29109,single-format-standard,cookies-not-set,qode-social-login-1.1.2,qode-restaurant-1.1.1,stockholm-core-1.0.5,tribe-no-js,tribe-bar-is-disabled,select-theme-ver-5.0.7,ajax_fade,page_not_loaded,vertical_menu_enabled,menu-animation-underline,side_area_uncovered,wpb-js-composer js-comp-ver-5.7,vc_responsive

Auf der Europa-Bühne: David McAllister

Von Ralf E.Krüger 06.05.2019

David McAllister ist Spitzenkandidat bei der Europawahl für die niedersächsische CDU. Der ehemalige Ministerpräsident ist international als Analyst über den aktuellen Stand des Brexits gefragt.

David McAllister ist international gefragt als Brexit-Erklärer. Wann immer ein Analyst für die Pirouetten britischer EU-Ausstiegspolitik gesucht wird, ist der CDU-Mann aus Bad Bederkesa zur Stelle. „Auch aus dem englischsprachigen Ausland gibt es stets viele Medien-Anfragen“, sagt der Spitzenkandidat der niedersächsischen CDU für die Europawahl am 26. Mai. „Dass ich zweisprachig aufgewachsen bin, ist ein unschätzbarer Vorteil, den ich erst in Brüssel so richtig ausspielen konnte.“ In der Rolle des überzeugten, kosmopolitischen Europäers fühlt er sich offensichtlich in seinem Element. Daraus macht der Mann mit den schottischen Wurzeln keinen Hehl: „Meine politische Zukunft sehe ich in Brüssel und Straßburg.“

Europa-Karriere nach Wahlniederlage

Dabei stand am Anfang seiner Europa-Karriere als Parlamentsdiplomat ein krachendes politisches Desaster als Regierungschef in Hannover. Fassungslos hatte er dort 2013 bei der Landtagswahl erleben müssen, wie seine schwarz-gelbe Koalitionsregierung wegen einiger Hundert fehlender Stimmen hauchdünn am Wahlsieg vorbeischrammte.

Dadurch verlor er auch knapp seinen lebenslangen Pensionsanspruch: Als Nachfolger von Christian Wulff war er von Mitte 2010 bis 2013 Ministerpräsident ‒ damit fehlten ihm einige Dutzend Tage im Amt. Abgewählt musste sich der damalige CDU-Hoffnungsträger politisch neu erfinden. „Dann war ich erst mal mit der ­Familie in Amerika, um Distanz zu gewinnen“, erinnert er sich. Berlin lockte, Brüssel wurde es. „Ich habe mich sehr bewusst für Brüssel entschieden, weil ich überzeugter Europäer bin“, erinnert er sich.

Der heute 48-Jährige büffelte Französisch-Vokabeln, saß ab 2015 als Abgeordneter im Europäischen Parlament, war oft als Berichterstatter auf dem Balkan. Er wurde Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten und ist damit im Europaparlament quasi das Gesicht der deutschen Europapolitik. „Er hat sich gut eingearbeitet in seine neue Rolle und auch schnell seine eigene Handschrift gefunden“, sagt sein Vorgänger Elmar Brok (CDU). Er sieht McAllisters Zukunft durchaus auf der europäischen Ebene ‒ auch wenn der beteuert, Niedersachsen bleibe seine Heimat. „In der Regel bin ich am Wochenende zu Hause“, sagt er.

Ein gelungener Wandel

Seine alten Weggefährten bescheinigen ihm den gelungenen Wandel. „Er hat den Wechsel auf die europäische Bühne erfolgreich vollzogen“, meint der heutige niedersächsische FDP-Fraktionschef Stefan Birkner, der einst Minister in McAllisters schwarz-gelben Kabinett war. Die Fraktionschefin der Grünen, Anja Piel, die während McAllisters Regierungszeit in der Opposition war, sieht das ähnlich. „Ich habe den Eindruck, er hat sich auf europäischer Ebene recht gut erfunden, auch mit niedersächsischen Themen“, sagt sie.

Von der CDU Niedersachsen wurde McAllister mit 99,2 Prozent der Stimmen als deren Spitzenkandidat für die Europawahl am 26. Mai gewählt. Seitdem ist seine öffentliche Wahrnehmung in seiner Heimat deutlich gestiegen. „Ich bin kreuz und quer durch Niedersachsen unterwegs und sehr angetan vom hohen Interesse an dieser Wahl. Brexit war da wohl der Weckruf“, sagt er. Landauf, landab warnt er auf Veranstaltungen nicht nur mit Blick auf den Brexit vor Demagogen und populistischen Kräften, wirbt für eine Stärkung der Europäischen Union.

„Handelspolitisch sind wir auf Augenhöhe mit den USA und China, außenpolitisch verzetteln wir uns aber im Kleinklein“, sagt er und fordert neben einer noch enger verzahnten Verteidigungspolitik die Abschaffung der Einstimmigkeit im Außenministerrat und einen europäischen ­Sicherheitsrat.